Zu Besuch in Seoul: Wo Wanderer wohnen

Einen Teil unserers Familienlebens haben wir in Seoul verbracht. Anderthalb Jahre in einer riesigen, wuseligen Stadt in einer Wohnung mit herrlichem Blick auf den Namsan (ein Berg in der Mitte von Seoul). Da findet man natürlich Freunde. Leider sind die meisten Ausländer dann doch moderne Nomaden und werden von Ihren Firmen immer wieder in andere Länder geschickt. Einige jedoch bleiben länger und so hatte ich die Gelegenheit in eine moderne koreanisch geschnittene Wohnung zu schauen.

Mein Gastgeber ist aus Deutschland und hat Stationen in New York und Hong-Kong hinter sich. Gerade den chinesischen Part sieht man der Wohnung dann doch an der einen oder anderen Stelle an. Aber fangen wir von vorn an.

Koreanische Wohnungen haben immer einen Vorraum in dem ein kleiner Absatz den Teil der Wohnung der noch draussen ist, von dem inneren trennt. Dort ist es auch geboten die Schuhe auszuziehen, denn in Korea wird nur auf Strümpfen die Wohnung betreten. Entsprechend leicht an- und auszuziehendes Schuhwerk ist von Vorteil – ebenso wie die Sauberkeit und  Löcherfreiheit der Socken. Die Wohnung selbst teilt sich in drei Teile, die um das große Wohnzimmer mit abtrennbarer Wohnküche angeordnet sind. In Wohnungen dieser Größe gibt es zwei Badezimmer, wobei eins im Bereich des Schlafzimmer ist und mit einem Umkleidezimmer mit Kleiderschrank verbunden ist. Ein kleiner Flur verbindet den privaten Bereich .

Der zweite Bereich im hinteren Teil der Wohnung ist auf der Blickachse von der Eingangstür und hat links ein Arbeitszimmer und rechts direkt neben dem Wohnzimmer ein großzügiges Gästezimmer in dem ein toller chinesischer Schrank nebst Spiegel steht. Koreanische Wohnungen werden selbst unmöbliert immer mit Gardinen und Vorhängen vermietet. Meistens blickdichte barocke Stoffe, wie der rote Satinvorhang im Gästezimmer. Passend dazu eine gerade noch akzeptable Tapete in gleicher Farbe mit einem Pflanzenmuster.

Am Ende des Ganges, wo der Spiegel mit einem kleinen Vorhang abgedeckt ist geht es rechts um die Ecke in ein kleines Badezimmer mit Toilette, Waschbecken und Badewanne mit Whirlpool. Alle Zimmer sind individuell mit Klimanlagen und Fußbodenheizung ausgestattet. Das ist auch notwendig, da es im Sommer bei 30 Grad und 95% Luftfeuchtigkeit unerträglich wird und auch die Winter hier durchaus deutliche Minusgrade aufweisen.

Die Wohnung hat, was nicht immer üblich ist, einen schönen Blick über einen eher flach bebauten Teil der Stadt und ist in der nähe eines buddhistischen Tempels gelegen, der einen morgens mit Betgesängen aus dem Schlaf holt.

Insgesamt eine schöne Bleibe, auch wenn die Bewohner, wie viele andere auch, zu wenig die kleinen Fenster öffnen, da die Luft in Seoul so mit Staub belastet ist, dass innerhalb kürzester Zeit ein schwarzer Film über allem liegt, der wirklich schwer wegzubekommen ist. Ich erinnere mich noch an unsere Wohnung, wo man nur kurz nach dem Putzen mit weißen Socken (ja, es gibt Besucher, die kommen mit weissen Socket nach Seoul) über das Parkett gehen konnte.

Der diesige Blick auf die Stadt ist normal im Sommer, wo die Sonner immer nur durch diese Wolkendecke brennt. im Winter gibts dafür blauen Himmel, Sonnenschein und Eiseskälte.

 

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