Stadtbad Neukölln: eine gute Adresse

Ich gebe zu, als ich zuerst vom Stadtbad Neukölln hörte, stellte ich mir einen Zweckbau aus den 70ern vor, den Vorurteilen über die Gegend entsprechend vielleicht komplett mit schicken Graffitis draußen und einem undichten, tropfenden Flachdach. Dann sah ich echte Bilder. Und dachte: da muss ich hin!

Von außen ist der Eindruck zwar streng, aber meilenweit entfernt von den Bausünden der 70er. Und spätestens im Eingangsberich wird klar, dass das hier kein normales Stadtbad ist.

Der Umkleidebereich ist dagegen im doppelten Sinne ein Abkühlung: die Temperatur sinkt passend zum Ambiente. Aber dann, der Blick in die Große Halle: Säulengänge, Mosaiken, Wasserspeier. Einfach schön. Verblüffend leer. Es ist Spaßbadezeit, was aber hier nur heisst, dass ein paar Schwimm- und Badehilfen unterschiedlicher Größe bereitgestellt werden. Und der Blick der Aufsichtsperson verspricht auch alles andere als Spaß. Aber wir haben unsere Ruhe, genießen den Blick und mein Kind ist mit dem großen Schwimmring vollends zufrieden.

 

Zwischenzeitlich ziehen wir kurz um in die Kleine Halle, die ehemals nur Frauen vorbehalten war, und die nun wirklich der großen sehr ähnlich sieht, nur eben … eh… kleiner. Und wärmer. Luft und Wasser sind richtig kuschlig und es tummeln sich einige Schwimmanfänger, denen das gerade recht kommt.

Das Bad hat Geschichte. 1914 eröffnet, lehnt es sich architektonisch an antike Vorbilder an. In Beschreibungen ist von antiken Thermenanlagen, griechischen Tempeln und Basiliken (Basilika? griechisch? Doch, stimmt!) die Rede. Der Zustand ist wohl erhalten, aber nicht überkonserviert; das Bad ist weiterhin zum Baden da und kein Museum.

Baden ist auch wirklich der Hauptzweck. Man kann, mit etwas gutem Willen, eine Bahnlänge von 25 m definieren, aber eine geeignete Wand zum Abstoßen gibt es nur auf einer Seite. Und die Startblöcke sind meistens gesperrt. Wer also locker flockig seine 1000 m runterspulen will, ist sicher hier besser aufgehoben. Aber für ein entspanntes Familienbaden in historischer Kulisse ist man in Neukölln an der überraschend  richtigen Adresse.

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2 Responses to Stadtbad Neukölln: eine gute Adresse

  1. Ich habe meinen Kindern letzte Woche zum ersten Mal Berlin gezeigt. Der 10. Geburtstag meiner Tochter fiel mit der Reise zusammen, und sie wünschte sich sehnlichst, schwimmen zu gehen. Mit dem Stadtbad Neukölln waren wir gut beraten (danke Sabine!) — wegen der Atmosphäre und dem Ambiente war es rundherum ein besonderes Erlebnis. Startsprünge durften wir nach Anfrage nicht nur üben, sondern bekamen sogar Tipps vom Bademeister. Empfehlung: wem dieses Bad gefällt, der wird auch am Amalienbad in Wien Freude haben.

  2. Simone Jugel sagt:

    Gern geschehen, es freut mich sehr, dass es Ihnen gefallen hat. Und ich werde mir beim nächsten Besuch in Wien auf jeden Fall das Amalienbad ansehen.
    Simone

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