Ein Arbeitszimmer für den Autor, Teil 9: Der Fußboden

Ich mag Holzfußböden und wollte schon immer versuchen, einen selbst zu verlegen. Der Umbau des Arbeitszimmers bietet die ideale Gelegenheit dafür: Wenn’s schief geht, ist es bedauerlich, aber die Katastrophe bleibt auf ein Zimmer beschränkt, das außerhalb der Familie kaum jemand sieht. Noch besser: Vom Fachmann wurde bestätigt, dass der Boden bereit ist, der Estrich schwimmt und man eigentlich nur Klebstoff auskippen und Bretter darüberwerfen muss. Hält Jahrzehnte!

Aber das wäre ja viel zu einfach.

Denn geklebte Holzfußböden sind hart und Klebstoff stinkt. Verlegt man aber die Bretter auf ein Lattengerüst, federt der Boden sanft bei jedem Schritt. Der Aufwand ist allerdings deutlich größer: Man muss Latten kaufen, sie mit irgendwas versehen, das die Überleitung des Trittschalls zum Boden unterbricht, dann die Latten im richtigen Abstand zueinander auslegen und schließlich die eigentlichen Bretter quer dazu verschrauben. Ehrlich, welcher Idiot würde sich so viel Arbeit machen?

Erster Entwurf der Lattierung. Im Achteck wurde sie später noch etwas angepasst.

 

Bevor die Schönste Germanin auf die Idee kommt, diese Frage zu beantworten: Ich kann jetzt mit großer Sicherheit sagen, dass es selbst für einen eher normalbegabten Hobby-Heimwerker möglich ist, einen solchen Holzfußboden zu verlegen. Man darf nur keine Scheu vor Arbeit haben, etwa in der gleichen Art, wie Lemminge keine Höhenangst kennen.

Für das Gerüst nehmen wir Latten von 4 x 6 cm und tackern dort 10 cm breite und 0,5 cm dicke Hanfstreifen an — die Hasch-Witze gibt es von den Bekannten umsonst dazu. Sonst müssen wir uns in diesem Fall nicht groß um Schalldämmung kümmern, denn unter dem Boden leben nur Würmer, und gedämmt ist auch genug. Der Abstand zwischen den Latten hängt von der Dicke der Dielen ab und der zu erwartenden Belastung. In unserem Fall wählen wir etwa 26 cm Abstand (30 cm minus der Lattenbreite von vier cm) und legen noch einige zusätzliche Latten dort, wo wir ein höheres Gewicht erwarten — am Welteroberungstisch, unter den Beinen des Sehr Großen Tisches, etc.

Am Ende liegen 80 laufende Meter Latte und entsprechend viel Hanf auf dem Boden. Kind Nummer Zwei hüpft begeistert von Zwischenraum zu Zwischenraum und versteht gar nicht, warum das nur eine Zwischenphase sein soll.

Bei den Dielen hat sich nicht nur die Recherche ausgezahlt, wir haben am Ende schlicht Glück gehabt: Dank eines Sonderangebotes, entdeckt von der Schönsten Germanin, können wir uns tatsächlich Eiche leisten, wenn auch dritte Wahl und nur 1,5 cm dick. Egal, Eiche bietet eine einigermaßen harte Oberfläche. Die Dielen sind mit Nut und Feder versehen, denn ein Mann muss seine Grenzen kennen.

Da Holz „arbeitet“, also je nach Raumfeuchte anschwillt oder sich zusammenzieht, sorgt man mit Keilen dafür, dass beim Verlegen ein Abstand von etwa 1,5 cm zu den Wänden gewahrt wird. Klingt einfach, aber das Verfahren geht davon aus, dass die Wände gerade sind. Das ist in diesem Raum definitiv nicht der Fall. Entsprechend sind besonders die ersten beiden Reihen eine Übung in Frustrationstoleranz, bis man die Flucht einigermaßen hinbekommt.

(Natürlich konnten wir der Versuchung nicht widerstehen, etwas im Zwischenraum zu verstecken: Ein Brief als „Gruß aus dem Jahr 2011“. Auf Goldbarren haben wir verzichtet, da wir irgendwie gerade keine im Haus hatten.)

Eine Botschaft an die Zukunft

 

Etwa 650 Dielenschrauben später spiegelt das Ergebnis zwar eine gewisse Lernkurve wieder, denn die letzten Reihen sind beim genauen Hinsehen doch schöner als die ersten (die dummerweise direkt an der Tür liegen, weil dort die beste Ausgangswand war). Aber wir haben tatsächlich einen Holzboden, leicht federnd, ohne Gestank.

Der fertige Boden

 

Nur für das Verlegen habe ich im Schnitt 30 Minuten pro Reihe gebraucht. Es sind insgesamt 37 Reihen — do the math, wie man auf Englisch sagt. Wenigstens haben wir uns die Arbeitsschritte des Schleifens und Versiegelns gespart, denn den die Bretter sind schon beschichtet. Es fehlen also nur noch die Fußbodenleisten, aber die besprechen wir im nächsten Eintrag.

Zeit für den Belastungstest

 

Das Fazit: Das Gesamtergebnis ist zwar nicht fehlerfrei, aber durchaus hübsch und für das erste Mal besser gelungen als ich es erwartet hätte. Ich bin zufrieden. Kaum noch im Zeitplan, aber zufrieden. Nur eins ist sicher: Der nächste Holzfußboden wird geklebt.

Fortsetzung hier

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5 Responses to Ein Arbeitszimmer für den Autor, Teil 9: Der Fußboden

  1. Christian sagt:

    Sieht toll aus, Glückwunsch.
    „Es fehlen also nur noch die Fußbodenleisten“. Das hat bei uns zwei Jahre gedauert 😉

  2. schokopirat sagt:

    Das sieht in der Tat gut aus, da kann ich Christian nur zustimmen. Aber mal rein Interessenhalber aus Laiensicht gefragt: Bekommt man mit so einem Lattengerüst nicht Probleme mit der Bodenhöhe? In der Regel sind doch die Türhöhen normiert, wenn der Boden mehrere Zentimeter angehoben wird, müsste doch eigentlich erstens beim Übergang zum anderen Raum eine unschöne Stufe entstehen und zweitens die alte Tür von der Höhe nicht mehr passen.

    • Scot sagt:

      Danke für das Lob!

      Ja, im Moment haben wir noch die Stufe in sehr unschön, mittelfristig muss da ein richtiger Übergang hin, und langfristig müssen wir überlegen, was wir im Flur machen, denn der Teppich dort ist ohnehin hin. Es ist auch nicht nur die Tür, die ein Problem ist, sondern es fängt schon mit dem Türrahmen an — den muss man ganz tapfer einschneiden, dann gibt es auch kein zurück mehr. Die Tür werden wir auch unten noch abschneiden müssen, aber das mache ich, wenn ich einmal richtig, richtig wach bin …

      • schokopirat sagt:

        Danke für die schnelle Antwort. Ich wünsche viel Erfolg bei der weiteren „Sanierung“ der Räume. Es scheint ja langsam aber sicher voran zu gehen. Wenn alles am Ende so gut aussieht, kann man auf das Ergebnis jedenfalls stolz sein.

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