Zu Besuch in der Triobar – Wie man einen echten Cocktail der Woche macht

Die Mail fing ganz harmlos an. Mike schrieb uns, daß er unseren Blog gut findet, allein und nichts für ungut – ein wirklicher Cocktail würde anders aussehen. Er würde uns auch gerne zeigen wie das geht und ob wir Lust auf einen Cocktailkurs hätten. Sowas sagt man uns nicht zweimal, der nächste freie Termin war unser.

Und so stiegen wir an einem Samstag im Juli die Stufen hinab in die Tiefen der Triobar, den Magen, wie von Mike vorgeschlagen, gut gefüllt und den Wagen sicher zuhause geparkt. Auf der Bar standen nebeneinander gereiht Degustationsgläser, Wassergläser und davor Wasserflaschen, deren Form alleine schon ein Blogeintrag wert wäre.

Als alle sieben Schüler brav am Thresen sassen, wurden wir kurz nach Grund des Daseins, Lieblingscocktail und Lieblingsbar interviewt. Und dann ging es los. Nicht etwa mit dem Mixen – nein, nein. Wir fingen an mit einer Spirituosenverkostung. Je drei verschiedene Wodka, Gin, Tequila und fünf unterschiedliche Sorten Rum. Es wurde warm in der Bar. Sehr warm.

Und so war auch der allererste Tip des Barkeepers, nach jeden Schluck Alkohol immerimmerimmer einen mindestens genauso großen Schluck Wasser trinken. Und man soll es nicht meinen, wenn ich nichts anderes aus dem Kurs mitgenommen hätte – was ich natürlich habe, aber nur mal angenommen – der Trick hilft. Simone und ich sind zwar leicht angeschickert, aber mehr oder minder gerade und auf zwei Beinen da raus gekommen.

Natürlich haben wir nicht nur verkostet – wir haben zu jeder Spirituosenart eine kurze und manchmal auch längere geschichtliche Abhandlung bekommen, wer wann das Getränk erfunden hat, wo es getrunken wird und welche Ausprägungen es hat. Und es ist unglaublich, wieviele unterschiedliche Varianten eines vornehmlich geschmacksneutralen Getränks wie zum Beispiel Wodka es gibt.

Nach einer kurzen Pause und dem erneuten Auffüllen der Wasserflaschen ging es dann ans Mixen – in einem zweiteiligen Mixer, versteht sich. Planters Punch. In fünf Variationen. Solange, bis es auch dem letzten schmeckte. Danach kamen Tommy´s Margaritha, Heavenly Gimlet, Marlowes Gimlet (absoluter Favorit) und der speziell gewünschte Absint-Cocktail Green Beast – der nicht nur bei mir nach einem Schluck im Abwasser landete.

Nach und nach werden wir die Cocktails hier vorstellen, versprochen – wirklich fotographieren konnten wir sie nicht mehr, irgendwann bei der Spirituosenverkostung muß irgendwie der Scharfstellautomatik der beiden Kameras auf Wochenende geschaltet haben.

Alles in allem war es ein wirkich toller Kurs und wären wir nicht eingeladen gewesen, wir hätten ihn auch regulär gebucht. Vielen Dank, Mike, wir haben unglaublich viel gelernt, es war lustig und wir werden nie wieder soetwas Schnödes wie einen Rosé-Wein für einen Cocktail der Woche durchgehen lassen.

Wer auch gerne einen Schnupperkurs machen möchte – hier gibt es die Infos dazu.

Seit wann machst Du Cocktailkurse – für Profis aber auch für Laien?
Ungefähr 6,5 Jahre ist es her, das ich mit den Kursen für Profis angefangen habe und vorher rund 5,5 Jahren kamen dann die Laienkurse dazu. Diese Hobbymixkurse entwickelte ich eher auf Wunsch meiner Gäste der Bar,
als dachte ich dachte das sie sich mal so gut verkaufen würden. Doch heute erwirtschaftet meine Barschule mit Cocktailkurse für Laien & Cocktailnerds mehr Geld als mit den Profikursen.
Da meinte es das Schicksal wohl sehr gut mit mir…

Wie bist Du dazu gekommen?
Ich bin selber Autodiktat und weiß wie mühsam es ist, alles nur aus Büchern zu lernen,
da wollte ich einfach etwas anders machen und Menschen mit Liebe zur Bar zeigen,
wie es auch ein wenig leichter geht…

Was gefällt Dir an der Triobar am besten?
Die Triobar ist mein persönlicher Traum von einer Bar, wie ich sie immer gern mal gefunden hätte.
Ein Platz für Cocktailliebhaber, ein Spirituosenmuseum zum anfassen und ertrinken,
einfach ein Platz für Freunde der Barkultur.
Die Triobar ist ein Ort wo man sich voll und ganz der Lust für Cocktails hingibt und dabei die Regeln der sonstigen Bars gerne mal ausser Acht lässt.

Wenn Du könntest, wie Du wolltest – was würdest Du verändern?

Nichts – sie ist so wie ich sie immer haben wollte!
Ein wahrgewordener Traum

Der seltsamste Cocktailschüler, den Du mal hattest?

Schwer zu sagen, da ich schon einige Cocktailschüler hatte, die sich wohl etwas ausserhalb der üblichen Vorstellungen verhalten haben. Durchaus einige Barnerds neigen zu skurillen Verhaltensweisen oder leben ihre Leidenschaft mit viel, viel Hingabe…
Amüsant war eine ältere Dame (76 Jahre), die unbedingt ihre Damen-Bridge-Runde mit einem Cocktailabend überraschen wollte und sich dafür extra zum Cocktailkurs anmeldete.
Die Kursstärke war damals 8 Personen und so buchte sie einfach 8 Plätze um ganz sicher zu gehen,dass sie auch genügend Zeit habe, um alles nachfragen zu können und alles ausreichend proben zu können. Ich war echt baff, als sie mir dann sagte, das da sonst kein weiterer Teilnehmer zum Kurs käme.
Der Bridge-Abend war dann wohl ein voller Erfolg, da sich dann knapp 4 Wochen später die gesamte Damenrunde zum Cocktailkurs anmeldete.

Der seltsamste Cocktailwunsch, den Du erfüllen solltest?
Ich habe einen sehr lieben weiblichen Gast, der sich wünschte mal für einen Abend die Bar ganz für sich alleine zu haben, mit mir als Barmann hinter der Bar und einfach mal so einen ganzen Abend alles probieren zu dürfen auf was sie gerade Lust hätte. Den Wunsch habe ich ihr dann auch erfüllt und es war wirklich ein ganz besonderer Abend. Leider ist sie mit ihrem Mann inzwischen nach Stuttgart gezogen.

Hast Du einen eigenen Lieblingscocktail?

Das hängt oftmals sehr von meiner Stimmung ab, aber generell trinke ich Sazeracs sehr gerne.
Der Sazerac ist ein sehr alter Cocktail, der heute leider nicht mehr sehr populär ist, aber für mich stets die Referenzklasse in einer guten Cocktailbar ist.
Wenn ich eine von meinen eigenen Kreationen als meinen Lieblingscocktail nennen sollte,
dann wäre es wohl der Smoky Signals, ein sehr aufwendiger Drink mit geräuchertem Eis.

Was war der letzte Cocktail, den Du gemixt hast?
Das war am Montagabend in der Bristol-Bar in Frankfurt, während eines Gastauftritts als Bartender einer meiner momentanen Favoriten:
Mexican-Twist
Ein Klassiker der Barkultur im neuen Licht betrachtet
6 cl Don Julio Reposado Tequila, 10 cl Gurkenwasser, 2 cl Limettensaft, 2 cl Agavensirup, 1 Prise Chili & Salz

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3 Responses to Zu Besuch in der Triobar – Wie man einen echten Cocktail der Woche macht

  1. Der Koch sagt sagt:

    Mach doch mal nen link zur Bar….
    klar krieg ich es auch selber raus, aber Machs den Leuten doch bequem.

    • Sabine Stevenson sagt:

      War doch, zwischen Text und Interview. Aber ich hab den Link noch mal hochgesetzt – für die Ungeduldigen untern uns:-)

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