Ein Lob auf die LED-Lampe (mit Zahlen und Retro-Futurismus)

Ich möchte diesen Eintrag mit einem Geständnis beginnen: Ich hasse Energiesparlampen. Das Wortungetüm „Kompaktleuchtstofflampe“ sagt schon alles, was man über eine Lampe wissen muss, die teuer ist, Quecksilber enthält, erst nach Minuten hell wird (falls überhaupt) und aussieht wie eine verworfene Requisite aus dem Film Brazil. Zumindest gefühlt und zumindest in unserem Haus gehen sie genauso häufig kaputt wie „echte“ Glühbirnen, nur dass sie dann zum Fall für den Sondermüll werden.

So habe ich mir das 21. Jahrhundert nicht vorgestellt.

Aber — und das ist nun wirklich ein Vorteil — sie verbrauchen weniger Strom. Und da Strom nicht nur gefühlt ständig teurer wird, sondern auch ganz objektiv, und weil der Preis wohl nur noch weiter steigern wird, ist das ein sehr gutes Argument. Die alten Glühbirnen müssen weg.

Weswegen ich mich inzwischen in LED-Lampen verliebt habe.

Denn LEDs verbrauchen noch weniger Strom — zum Teil weniger als zehn Watt — gehen sofort an, enthalten kein Quecksilber, müssen nicht in den Sondermüll und sehen definitiv besser aus. Sie sollen auch länger halten als alle anderen Lampen, aber sicher weiß das keiner, weil noch niemand sie schon 25 Jahre im Einsatz hatte. Wie alle Halbleiter mögen sie große Wärme nicht. Während ich das kalte, weiße Licht der (relativ gesehen) alten LEDs mag — dann ist ein Blau auch wirklich ein Blau — sollten normal veranlagte Menschen gucken, dass sie eine warm-white-Variante holen. Einige Modelle sind dimmbar.

Bislang führten LED-Lampen ein Nischendasein. In einer längeren (und sehr lesenswerten) Zusammenfassung der New York Times über den Stand der Glühbirnen-Technologie werden sie mit der trophy wife verglichen, der jungen Zweit-Ehefrau zum Angeben:

really expensive, nice to look at, not much of a track record

Es ist der erste Punkt, der Preis, der die Leute abschreckt. Tatsächlich stockt erstmal der Atem, wenn man in einem Katalog wie den von Conrad die Preise sieht: Da stehen Summen von mehr als 30 Euro für eine (in Zahlen: 1) Glühbirne. Wenn es wirklich strahlend hell werden soll, wird es noch teurer. Nicht umsonst fordert die New York Times ihre Leser an dieser Stelle auf: Breathe — bitte weiteratmen.

Die erste Frage ist daher, ob sich eine LED rechnet. Nicht immer, muss selbst ich zugeben. Aber Dank der fallenden Stück- und steigenden Strompreise immer öfter.

Ein konkretes Beispiel aus eigener Erfahrung. Die Eingangstreppe zu unserem Haus ist Nachts nicht nur dunkel, sondern stockfinster. Das ist doof, wenn man das Schlüsselloch finden will, gefährlich, wenn man eine schwarze Katze hat und schlicht lebensbedrohlich, wenn zwei kleine Kinder überall Dinge stehen- und liegenlassen. Deswegen hängt dort eine Lampe, die besonders im Winter Stunde um Stunde an ist (Lösungen mit Bewegungssensoren haben sich nicht bewährt, schon allen wegen der örtlichen Katzendichte). Vor drei Jahren kam mir die Idee, dass dort vielleicht eine LED-Lampe hängen könnte.

Dabei reichte, so meine Überlegung, eine No-Name-Birne mit 38 Einzeldioden, die 1,8 Watt verbraucht. Sie ist damit nicht wirklich hell, aber für den Zweck hell genug. Und nochmal: 1,8 Watt Verbrauch.

Heute kostet dieses „Leuchtmittel“ etwa zehn Euro, aber damals 25 Euro, was gut zeigt, wie (relativ gesehen) billig LEDs geworden sind. Damals aber brauchte man einen blauen und einen grauen Schein. Wie erklärt man so etwas der Ehefrau? Mit knallharten Zahlen natürlich, denn die hat BWL studiert.

Und ab hier wird es kurz mal technisch.

[Zusammenfassung der nächsten Absätze für Leute, die in der Schule mit Mathe auf Kriegsfuß standen: Die hohen Anschaffungskosten können je nach Anwendung wegen der niedrigen Betriebskosten schnell ausgeglichen werden. Das ist alles.]

Wir können die anfallenden Kosten pro Stunde Betriebsdauer mit einer Gradengleichung beschreiben. Was man in der Schule in einer Form wie „y = a*x+b“ gelernt hat, lautet hier so:

[Gesamtkosten] = [Kosten je Stunde]*[Betriebsstunden]+[Kaufpreis]

Für den Faktor „Kosten je Stunde“ braucht man den Strompreis in Euro je Kilowattstunde (kWh) und den Verbrauch in Watt. Blödes Beispiel: Bei einem Strompreis von 0,22 €/kWh und einer klassischen Glühbirne mit 100 W haben wir

0,1 kWh * 0,22 Euro/kWh = 0,022 Euro

Lassen wir eine 100-Watt-Birne 24 Stunden brennen, kostet uns das am Tag also 0,53 Euro. Das klingt nicht viel, bis man sich klar macht, dass wir damit pro Jahr für eine einzige Birne 192,72 Euro an Stromkosten zahlen würden. Dafür kriegt man viele, viele Gummibärchen.

Wenn man nun zwei Birnen vergleichen will, um die Ehefrau zu überzeugen, muss man zwei Gradengleichungen aufstellen und dann ihren Schnittpunkt suchen — ab da lohnt sich die LED-Lampe. Das kann man mathematisch machen, oder auf einem Stück Papier mit Bleistift und Lineal, oder bestimmt auch mit dem Computer. Dann muss man sich überlegen, wie viele Stunden das Ding am Tag angeschaltet ist. Damit kann man sagen: Nach X Tagen lohnt sich diese Lampe, auch wenn sie erstmal teuer ist. Liebling.

Bei uns lohnte es sich selbst für den schlimmsten Fall nach zwei Jahren. Die Ehefrau war überzeugt, wir haben die LED gekauft und über der Tür eingesetzt, wo sie seitdem von oben die Stufen, das Schlüsselloch, eine wundersame Menge Spielzeug und oft genug auch eine Katze bestrahlt. Ja, für das Leben haben wir gelernt, nicht für die
Schule.

Persönlich halte ich ein anderes Problem für wichtiger: Das Licht einer LED-Lampe ist erstmal gerichtet, statt sich wie bei einer klassischen Glühbirne (oder einer Energiesparlampe) überall hin zu verteilen. Als Spots sind LEDs wunderbar, weswegen sie jetzt Stück für Stück auch in die Lichtleisten unseres Hauses wandern. Als
Ersatz für die Lampe über dem Esstisch im Moment noch weniger.

An dem Problem wird gearbeitet. Einige Lösungen sind zum Teil noch ziemlich futuristisch, oder zumindest retro-futuristisch —

— aber sie funktionieren. In diesen Wochen hat Philips mit einem Ersatz für 75-Watt-Birnen einige Aufmerksamkeit erregt, der zwar auch gut auf die Brücke der Nostromo passen würde, aber immerhin nur 17 Watt verbraucht. Preis in den USA: 40 Dollar (ohne MWSt). Der Preis des 60-Watt-Modells in Deutschland: 55 Euro. Gut, hier werde selbst ich wohl noch warten … denn die Konkurrenz schläft nicht, auch wenn sie den Enterprise-Look bevorzugt.

Um das alles zusammenzufassen: LED-Lampen können sich eignen, wenn sie ständig im Einsatz sind, das Licht gerichtet ist und die Umgebung nicht heiß wird. Und wenn man etwas haben will, dass wirklich aussieht wie das 21. Jahrhundert.

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One Response to Ein Lob auf die LED-Lampe (mit Zahlen und Retro-Futurismus)

  1. Barbie aus Berlin sagt:

    Ja, wir stellen auch eher auf LED als auf (sogenannte) Energiesparlampen um. Bei denen weder Haltbarkeit noch Stromverbrauch mit den offiziellen Angaben übereinstimmt. Wir haben ein 3×2-qm-Treppenhaus mit drei Etagen und Bewegungssensoren auf jeder Etage. Es gibt da nichts falscheres als „Energiesparlampen“ und gerade für die Haustür und die Wege im Garten sind LED die bessere Lösung. Man will ja da nicht lesen. Und optisch werden die auch noch aufholen sobald es ein Massenmarkt wird.

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