Der Balkon, der nicht sein soll

Eigentlich war dieser Tag der Tag, an dem ich meinen Balkon seit Jahren das erste Mal wieder richtig, richtig schön machen wollte. Der Plan war seit Wochen gemacht, umgeschmissen worden, neu entworfen. Ich habe Monate damit zugebracht, die passenden – und bezahlbaren – Möbel für den Balkon auszusuchen.

Aber von vorne. Unser Balkon war von Anfang an unser Stiefkind. Als wir das Haus kauften, hatten wir eine Schlammwüste als Garten und der Balkon zeichnete sich dadurch aus, dass er weder Geländer noch einen richtigen Boden oder gar einen Abfluss hatte. Das sah dann in etwa so aus, wie auf dem Bild. Der fehlende Abfluß führte dazu, dass es Feuchtigkeitsflecken im drunterliegenden Wohnzimmer gab. Also behoben wir das als erstes. Es kamen schöne, zum Haus passende Kacheln auf den Boden, ein Geländer aus Glas und weißem Stahl verhindert den Absturz. Letzteres ist es, was einem schönen, bepflanzten Balkon das Gnick bricht.


 

Er zeigt nämlich nach Westen. Das bedeutet, ab 13 Uhr knallt da die Sonne wie irre drauf. Und durch das Glas entsteht natürlich im Sommer eine unglaubliche Hitze . Wie in einem Treibhaus, nur trockener. Und das heißt, dass ich gar nicht mehr die Blumen, Stämmchen, Sträucher und sonstige Vegetationsarten zählen kann, die mir da oben kümmerlich eingegangen sind. Das hier sind übrigens die kümmerlichen Überreste eines ehemals imposanten Salbeistrauches.

Hinzu kommt, dass wir auf dem Ding eh nie sitzen – wir haben, wie gesagt, einen großen Garten mit einer ebensolchen Terasse – da kann ich wesentlich gemütlicher und vor allem praktischer sitzen. Kurz, der Balkon war über Jahre nur für die Weihnachtsbeleuchtung gut.

Dieses Jahr soll sich das ändern. Ich will auch eine jener, schönen duftenden Kleinoasen haben, die andere Leute ihr Eigen nennen. Also habe ich die schon erwähnten Möbel – weisses Holz, das geht, weil der Balkon überdacht und damit geschützt ist – besorgt. Und heute wollte ich für die Bepflanzung Zitronen-, Oliven- und vielleicht noch ein Orleanderhochstämmchen kaufen. Die werden ja wohl die Hitze abkönnen. Und für den Winter hab ich dem Autor eine Ecke in seinem Keller abgetrotzt, wo meine neuen Lieblinge dann kühl, trocken aber nicht vergessen überwintern können.

Alles war also für heute geplant und vorbereitet. Und dann kamen sie – die verfrühten Eisheiligen. Eigentlich sollte ich ihnen dankbar sein, werde ich doch jedes Jahr wieder von der kalten Sophie und ihren Kumpanen erwischt. Von daher war es vielleicht ganz gut – selbst ich weiß, dass es sich schlecht macht, mit  Winterhandschuhen Handschuhen Zitronenbäumchen einzupflanzen.

Heißt aber auch, der Eintrag muß noch so ein oder zwei Wochen warten. Aber dann – dann kommt er, der schönste Balkon diesseits von geranienüberfluteten Alpenbalkonen.

Versprochen.

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2 Responses to Der Balkon, der nicht sein soll

  1. Thomas Brunsch sagt:

    Also Sabine, ich empfehle Dir Hauswurz, Steinbrech und Fette Henne. Das sind die Sukkulenten der gemäßigten Breiten. Früher sagte man Hauswurz schützt vor Blitzschlag. Das wäre ein weiterer Vorteil. Wenn die auch kaputt gehen, ist Dein Balkon der Mars und für höheres Leben einfach nicht bewohnbar.

  2. Sabine Stevenson sagt:

    Gut und schön, aber ich möchte etwas haben, was höher ist als eine Staude. Etwas, was man auch von unten sieht. Der Balkon soll nämlich hübsch sein, wenn man drauf sitzt *und* wenn man von unten drauf guckt.

    Ist das denn wirklich zu viel verlangt??? Seufzel!

    Wobei in den Töpfen Unkraut irgendwie immer wächst, von daher habe ich Hoffnung.

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