Zu Besuch … bei der Blumenfrau im Kiez

Kennen Sie Känguruhpfötchen? Konnten Sie Ihrer Twilight-verrückten Freundin schon mal eine Rose namens Vampir schenken? Haben Sie schon mal zum runden Geburtstag die langstieligen, dunkelroten bekommen, die sich dann ungelogen über zwei Wochen hielten?

Nein? Dann sollte ich Sie mal mit unserer Blumenfee um die Ecke bekannt machen. Allein mit ihrer Auswahl an grünem Beiwerk würde ich liebend gern meine Vasen füllen. Neben den Standards wie Schleierkraut und Farn gibt es hier Blaubeerkraut, Pistaziengrün, Eukalyptuszweige und eben die Känguruhpfötchen. Und vieles mehr, aber immer nach Saison. Ob es um kleine Mitbringsel oder den großen Strauß zum Jubiläum geht, sie hat mich noch nie im Stich gelassen. Außer im August, wenn der Laden für vier Wochen geschlossen ist. Aber ein reines Ferienvergnügen sei das nicht, erklärt Frau Stehr. Die Nachfrage sei in dieser Zeit so gering, dass es einfach nicht zu rechtfertigen sei, dafür den normalen, umfangreichen Bestand an Blumen vorrätig zu haben. Zumal ihre empfindliche Ware im Sommer auch schneller verdirbt. Dafür eine Klimaanlage anzuschaffen, sei auch keine Lösung, Zum einen seien die Kosten anstronomisch, zum anderen sei es Betrug am Kunden. Denn wer bei hochsommerlichen Temperaturen eine klimatisierte Blume nach Hause trage, habe maximal zwei Stunden etwas davon.

Es gibt Frau Stehrs Laden schon seit bald 11 Jahren. Sie hatte bereits vorher in der Nähe gearbeitet, aber der eigene Laden war immer ihr Traum. An der Lage des Geschäfts gefällt ihr vor allem der Park gegenüber, das Gefühl von Luft, dass sie nicht hätte, wenn sie sich in einem Einkaufzentrum niedergelassen hätte. Außerdem ist ihr die Stammkundschaft aus dem Kiez wichtiger als die Laufkundschaft, die es beispielsweise am Bahnhof gibt.

Der Laden selbst befindet sich in einem eher schlichten Neubau. Eine große Fensterfront lädt zum Dekorieren ein, und die Schimmelprobleme, mit denen Floristen in Altbaugeschäften oft zu kämpfen haben, gibt es hier nicht. Auf die Frage nach ihren Lieblingsblumen sagt sie: „Jetzt gerade die Ranunkeln, nächste Wocher vielleicht die Pfingstrosen. Im Sommer der dunkelblaue Rittersporn und im letzten Winter habe ich geschworen, ich hätte noch nie etwas so schönes gesehen, wie die tief bordeauxroten Amaryllis.“

Was sie verändern würde, wenn sie könnte wie sie wollte? Renoviert hat sie gerade erst, seitdem ziert eine zarte grüne Bordüre die Wand. Es  gäbe schon sehr hochwertige Pflanzen, die sie schon gerne kaufen würde. Schöne Bonsai, die sich sehr gut im Fenster machen. Rosen mit meterlangem Stiel. Manchmal findet sie das reizvoll, aber in unserem sehr bodenständigen Kiez passt das nicht wirklich. Viele Familien mit Kindern, die es dann doch eher undramatisch mögen.

Kann ich sehr gut verstehen.

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