Was das Internet aus unserem Bücherregal gemacht hat

Es ist schon ein paar Monate her, da meinte mein Mann, unser Bücherregal habe sich zu einem halb-bewußten Organismus entwickelt. Es befänden sich Dinge darin, die er nie dort vermutet hatte; Bücher seien zwar auch da, aber nie dort, wo man sie erwarte; außerdem verändere es sich ständig. Man kann auch sagen, es war von Grund auf durcheinander, unordentlich und unübersichtlich. Außer einer groben Zweiteilung in Fiction und Non-Fiction gab es keine wirkliche Sortierung.

Dann fuhren wir nach Dublin, und sahen uns unter anderem den Long Room in der Bibliothek der Trinity Universitiy an. Beeindruckend. Und so aufgeräumt. Allerdings erklärte unser Guide, zwar dürften im Prinzip alle Studenten die Bücher aus dem Long Room benutzen, aber kaum einer nehme dieses Privileg in Anspruch, denn nur Experten würden dort finden, was sie suchen. Die Folianten seien nach Größe sortiert. Nach Größe?

Genauso absonderlich fand ich eine Methode, für die es einige Beispiel auf Bookshelf Porn und ähnlichen Seiten zu bewundern gibt: Bücherregale, deren Inhalt nach Farben sortiert ist. Nach Farbe?

Auch das schien mir nicht sonderlich hilfreich, aber immerhin sah es hübsch aus. Und je länger ich hinsah…kurzum, eines Tages ging mir das Chaos-Regal so voll auf die Nerven, das ich dachte: alles besser als das. Und ich begann zu sortieren.

Und fand Staub und Kram, aber auch verlorene Schätze. Ich war gezwungen, jedes Ding in diesem Regal (mindestens) einmal in die Hand zu nehmen. Und merkte, dass, egal was bei der Aktion herauskommt, ich auf jeden Fall schon mal den Ballast losgeworden war und beim Rest wusste, womit ich es zu tun hatte. Am Ende dauerte es viel länger als gedacht, wie immer, aber es wurde fertig. Auch wenn das Ergebnis sicher nur eine Zwischenlösung ist (denn im Ernst: nach Farben sortieren? Dann schon eher autobiographisch), gefällt uns allen die Wand mit viel dramatischem Rot und beruhigendem Blau-grün doch sehr gut.

 

 

 

 

 

 

 

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8 Responses to Was das Internet aus unserem Bücherregal gemacht hat

  1. sabine sagt:

    Hihi, mein Buecherregal ist seit Jahren nach Farbe sortiert. Vorher habe ich verschiedenes probiert: nach Themen (funktioniert nur so lala), alphabetisch (sieht wuest aus, bei vielen Bildbaenden weiss ich den Autor nicht aus dem Kopf), nach Groesse (funktioniert, aber man findet nur schwer ein Buch wieder).
    Farbe war sofort einleuchtend: Ich kann von jedem Buch in meinem Bestand sofort das Aussehen visualisieren, daher finde ich jedes Buch auf Anhieb. Meine bessere Haelfte muss leider ab und zu nachfragen. 🙂
    Schoen, dass ich in guter Gesellschaft bin!

  2. sabine sagt:

    Sorry, ein Nachtrag: Einen Unterschied hab ich entdeckt: bei mir stehen die Harry Potters mittlerweile zusammen, trotz unterschiedlicher Farben.

  3. BaB sagt:

    Scifi rechts, Kochbücher links und die anderen 3 in der Mitte, das ganze so, daß man möglichst alles optisch halbwegs ordentlich auf Höhe kriegt. Aber nur halbwegs. Und wir sind immer wieder glücklich, das wir die Bücher komplett ins Arbeitszimmer ausgelagert haben. Außer die paar, die immer angelesen umhervagabundieren.

  4. Seraquael sagt:

    Warum als Zischenlösung?

    Wenn Ihnen dass so wirklich gefällt, so wie die Bücher jetzt stehen durchnummerieren, und ich meine nicht auf jedes Buch eine Nummer draufschreiben oder kleben sondern dekorative Holz- oder Metallziffern an die Regalbretter und eine Bücherliste erstellen. Am Besten am Computer, eine der vielen hundert vorgefertigen Buchdatenbanken. Und wenn man dann nicht ständig am Rechner nachschauen will welche Nummer das Buch hat, kann man ja eine Liste nach Auor- und/oder Titel ausrucken und ins Regal legen. Es empfiehlt sich die Nummerierung mit einem W/R/oder G davor für jede Farbe neu zu starten um sich einen Zukaufpuffer zu schaffen.

    Der einzige Nachteil ist, das diese Methode eine gewisse Disziplin beim zurückstellen verlangt. Ansonsten empfiehlt es sich doch, auf jedes Buch eine Nummer zu kleben und ab- und zu mal durchzusortieren.

    Ich weiß dass sich das jetzt erst einmal nach einer Menge Arbeit anhört, aber wenn man in einem halbwegs gescheiten Tempo tippen kann, wovon bei Ihnen eigentlich auszugehen ist, hält sich der Zeitaufwand in Grenzen und außerdem muss man das ja auch nur ein mal machen.

    Gruß Sera

    • Simone Jugel sagt:

      Sowas wie Delicious Library? Haben wir vor Jahren mal angelegt (und fast alle Easter Eggs gefunden). Ich muss mal meinen Mann fragen, wie gross der Aufwand wäre, das auf die neue Sortierung anzupassen.

      Danke für den Tipp!

      • Seraquael sagt:

        Delicious Libary kenne ich eigentlich nur oberflächlich da ich nur mobile Mac-Geräte (MacBook) verwende, auf meinem PC ist WIN7 und SuSe Linux installiert. Für beide, wie für Mac gibt es OPAC-Software, das ist freie modulare Bibliothekssoftware die meist kostenlos ist, wohingegen Delicious meines Wissens einen Recht stolzen Preis hat, und bei der man sich die passenden Teile heraussuchen kann. Ich empfand die Bedienung immer als sehr einfach muss allerdings dazu sagen das ich auch Bibliothekat bin, vielleicht schätze ich das auch falsch ein.

        Gruß Sera

  5. Susan sagt:

    Ich sortiere nach Genre/Land/Periode/wesGeistesKind — also Victorian novels zusammen, CanLit zusammen, DDR-Literatur zusammen, Harry Potter neben Tintenwelt, Karl May neben Lieselotte Welskopf-Henrich, Stephen L. Carter neben Scott Turow (zugegebenermaßen mit kleinen Ausnahmen — Angela Thirkell teilt sich das Regel mit Anthony Trollope, damit die Barsetshire-Bücher beieinander stehen).

    Alphabetisch finde ich seltsam — aber vielleicht bin ich auch vorbelastet, seitdem ich mit dreizehn das hinterste Regal unserer Stadtteilsbibliothek durchgearbeit habe (Updike bis Zola).

    Zum Katalogisieren online und für unterwegs kann ich librarything.com empfehlen. Verführt allerdings zum Nochmehrbücherkaufen.

    • Simone Jugel sagt:

      Ich vermute, es wir bei mir irgendwann auch auf Themen-Cluster hinauslaufen. Und dabei auch die Trennung zwischen fiction und non-fiction aufheben. Korea und Japan sind zB bei uns große Themen, bei denen ich mir vorstellen kann, Bildbände, Reiseführer und Romane zusammen zu stellen. Die Bücher über Kräuterkunde dagegen könnten auch in der Nähe von Harry Potter landen. Derzeit nur so eine Idee…

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