Und ewig röhrt der Hirsch

Bei Wohn-Accessoires ist es wie in der Mode – sie unterwerfen sich den Zeichen der Zeit. Ich selbst erinnere mich noch an braun-orangene Bäder. An Leonardo Gläser. An gewischte Wände. An blaugraue Teekannen auf Stövchen mit Wildkirsch-Tee. An schwarze Schrankwände mit Glas und Hintergrundlicht. Und die dazugehörige gemusterte Couch.

Wir haben das alles überlebt. Der Mensch ist leidensfähig, was seine Launen und seinen Geschmack angeht.

Aber seit ein paar Wochen sieht man in Wohnblogs immer wieder ein Thema, von dem Simone und ich uns schlicht weigern es a) kommentarlos an uns vorbeigehen zu lassen und b) ein Foto zu zeigen.

Der Trend geht – und ich wage kaum auszusprechen – zum Geweih an der Wand. Nicht unbedingt als Paket mit Fell und Augen und Maul, aber doch die Schädelplatte mit dem Horn oben drauf. Gerne auch als Fake, besser aber als Orginal. Und wenn das jedoch nicht geht, tut´s auch ein Holzmodell. Oder Pappmaché. Oder Metall.

Hineingehängt neben die minimalistische Couch an die graue Wand. Oder die auf alt gemachte Brokat-Tapete über der Chaiselongue. Oder in den Retro-70ies-Style.
Wobei der Trend anscheinend schon dahin geht, dass man den Hirschkopf mit möglichst modernen Möbeln und Bildern umgibt. Als Statement sozusagen.

Sicher, ich sehe ein, es wird immer schwerer, sich Neues auszudenken, irgendwie war alles schon mal da, aber….Hirschgeweihe? Was kommt als nächstes? Der Ölschinken „Die raue See“ in Gold gefasst neben der ultrahippen Baulampe, was uns dann als *der* Stilbruch verkauft wird? Und als kleine Beigabe gibt es dann den Gartenzwerg für den Balkon oder das Beet, der dann gleich neben die Geranien gestellt wird.

Sicher, Geweih und Ölschinken haben was von Oma´s guter, alter Stube. Auch meine Großeltern haben noch ausgestopfte Vögel und irgendwo einen Alligator unbekannter Herkunft im Haus. Und ja, es atmet Kindheit und Erinnerungen – in deren Zuhause, nicht in meinem. Ich bin dafür knapp 50 Jahre zu spät.

Wobei ich mit Freunden der Schlachthausküche über diesen Trend geredet habe. Zumindest Sandra war gar nicht so abgeneigt und könnte es sich schon spannend vorstellen. So kam ich schon wieder ins Grübeln, ob ich nicht einfach hoffnungslos altmodisch und einfallslos bin, was unser Haus angeht und bin in mich gegangen.

Ja, das mag sein. Aber es tut mir leid, es geht einfach nicht. Ich glaub, für solch innovative Raumkonzeptideen bin ich einfach zu spießig.

Und ich steh dazu.

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6 Responses to Und ewig röhrt der Hirsch

  1. Freundaus derSchlachthausküche sagt:

    Sabine, es funktioniert nur, wenn Du zusätzlich bereit bist auch MUSTERTAPETEN, FLOKATITEPPICHE und ALU-KUGELASCHENBECHER in deinen Haushalt einzuführen.

  2. Sabine Stevenson sagt:

    Schüttel!

  3. BaB sagt:

    Auja, über einen Flokati würde sie sich bestimmt freuen. Nicht zu vergessen die Schaumstoffsessel!

  4. Seraquael sagt:

    Wenn da jetzt noch Holzimitatlautsprecher, Linoleumfußbodenbeläge und diese seltsamen Lampen aus bunten Plastikfolien hinzukommen stürze ich mich in meinen FlipFlops und den Polyesterschlaghosen von der Kante meiner aufblasbaren Couch.

    Gruß Sera

  5. Sabine Stevenson sagt:

    Ihr seid alle sehr, sehr gemein zu mir:-)

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